Die frühzeitige Erkennung von Stürzen spielt eine entscheidende Rolle in der Gesundheitsvorsorge älterer Menschen. Mithilfe moderner Technologien lassen sich potenzielle Risiken schnell identifizieren und schwerwiegende Folgen deutlich minimieren.
Text: Rosi Dorudi
Stürze gehören zu den häufigsten Unfallursachen bei älteren Menschen und Personen mit eingeschränkter Mobilität. Die Folgen sind oft gravierend: Neben schweren Verletzungen wie Knochenbrüchen oder Kopfverletzungen können Stürze auch die Selbstständigkeit und Lebensqualität langfristig beeinträchtigen. Eva Korntner, Leiterin des Betreuungs- und Pflegedienstes im FraDomo Maria Schmolln, erklärt: „Ein Sturz bedeutet für viele Senior*innen einen tiefen Einschnitt in ihren Alltag. Die Angst vor einem erneuten Sturz führt häufig zu großer Verunsicherung und schränkt die Lebensqualität ein.“ Die Folgen eines Sturzes sind dabei oft gravierend: Knochenbrüche, Kopfverletzungen und langwierige Genesungsprozesse, die nicht selten zur Pflegebedürftigkeit führen. Stürze können jedoch nicht nur zu physischen Beschwerden, sondern auch zu psychischen Belastungen wie Depressionen führen. „Viele meiden nach einem Sturz die Bewegung, was das Risiko eines weiteren Sturzes erhöht,“ so Korntner. Je früher ein Sturzrisiko erkannt wird, desto gezielter können Maßnahmen ergriffen werden, um es zu verringern und im Notfall schnelle Hilfe zu leisten. Hier setzt die digitale Sturzerkennung an: Mittels Sensoren werden Bewegungen im Raum analysiert, und in kritischen Situationen erfolgt eine sofortige Alarmierung der Pflegekräfte. „Dieses System kann besonders nachts lebensrettend sein, da es Stürze schnell erkennt und sofort Hilfe alarmiert“, weiß die Leiterin des Betreuungs- und Pflegedienstes.
Im Rahmen des oberösterreichischen Pflegetechnologiefonds wurde im Januar 2024 mit einem Volumen von zwei Millionen Euro eine Initiative gestartet, um technologische Innovationen im Pflegebereich zu fördern. Ein Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung und Implementierung digitaler Systeme zur Sturzfrüherkennung, darunter die innovative „Nobi Smart Lampe“, die unter anderem im Seniorenheim FraDomo Maria Schmolln getestet und erfolgreich eingeführt wurde. „Das System erkennt Stürze in Echtzeit und alarmiert unser Pflegepersonal innerhalb von Sekunden, sodass schnell gehandelt werden kann“, berichtet Korntner. Durch optische Sensoren und künstliche Intelligenz werden Bewegungsmuster analysiert, um Risiken frühzeitig zu erkennen. Eine der entscheidenden Funktionen ist die automatische Beleuchtung. Korntner: „Sobald ein Bewohner nachts aufsteht, wird sanftes Licht aktiviert, um Stürzen durch Orientierungslosigkeit vorzubeugen.“ Gerade in der Nacht sind Stürze besonders gefährlich, weil sie oft erst verspätet entdeckt werden. „Die Nobi-Lampe hilft uns, schneller einzugreifen und so schwerwiegende Folgen zu vermeiden“, fügt sie hinzu. Die Lampe nutzt außerdem eine intelligente Analyse der Bewegungsmuster, um potenzielle Risiken wie unruhiges Verhalten oder unsichere Gangbewegungen frühzeitig zu erkennen. „Falls bei Personen ein erhöhtes Sturzrisiko besteht, können gezielte Maßnahmen wie Bewegungsförderung oder eine Anpassung der Umgebung vorgenommen werden“, erklärt Korntner. „Auch unsere Pflegekräfte profitieren von dieser Technologie, da sie wertvolle Zeit spart und effizientere Betreuung ermöglicht.“
Ein besonderer Vorteil der Nobi Smart Lampe liegt in ihrer präventiven Wirkung. Sie hilft nicht nur bei der Früherkennung von Stürzen, sondern trägt aktiv dazu bei, diese zu verhindern. Die kontinuierliche Anpassung der Lichtverhältnisse an den Tagesrhythmus sorgt nicht nur für eine bessere Orientierung, sondern unterstützt auch den Schlaf-Wach-Rhythmus der Bewohner*innen. Helles Licht am Morgen fördert die Wachheit, während warmes, gedimmtes Licht am Abend den Körper auf die Nachtruhe vorbereitet. Zusätzlich verarbeitet die Lampe alle Bewegungs- und Bilddaten direkt im Gerät, sodass keine sensiblen Informationen an externe Clouds übermittelt werden. „Dies gewährleistet höchste Datensicherheit und schützt die Privatsphäre der Bewohner*innen effektiv“, so Korntner. Darüber hinaus lassen sich individuelle Einstellungen vornehmen, etwa zur Erkennung von längeren Abwesenheiten oder ungewöhnlichen Bewegungsmustern, was weitere Sicherheit bietet. „Insgesamt sind die Vorteile der digitalen Sturzerkennung enorm: Sie verbessert nicht nur die Sicherheit und Lebensqualität unserer Bewohner*innen, sondern entlastet auch unser Pflegepersonal, indem es gezielter und schneller eingreifen kann.“ Durch die Kombination aus Prävention, Früherkennung und schneller Alarmierung können schwere Stürze vermieden oder deren Folgen minimiert werden.
Abschließend betont Korntner: „Technologie kann die persönliche Pflege nicht ersetzen, aber sie ist ein wertvolles Werkzeug, um die Sicherheit und Selbstständigkeit unserer Bewohner*innen zu fördern und gleichzeitig das Pflegepersonal zu entlasten.“ Die Integration intelligenter Systeme in den Pflegealltag sei ein wichtiger Schritt, um den Herausforderungen einer alternden Gesellschaft mit innovativen Lösungen zu begegnen.
Titelbild: Eva Kortner © Johanna Gerner